Dienstag, 25. Juli 2017

Impressionen aus dem Museumscenter Hanstholm (Dänemark): Das Außengelände (Batterie Hanstedt I) und der Museumszug

Nachdem ich Dich gestern in die Innenräume und den Bunker des Museumscenters Hanstholm mitnahm, zeige ich Dir heute ein paar Impressionen des Außengeländes, über das vier verschieden lange Wanderwege führen.

Die Lok der Feldbahn vom Lokschuppen.
Zur Feldbahn gehört auch ein Hänger mit Munitionsattrappen (jedenfalls hoff eich, dass es Attrappen sind). 
Die Feldbahnwaggons sind vergittert. Das ist etwas gewöhnungsbedürftig, dient aber der Sicherheit in den engen Tunneln. 
Zuerst fuhren wir mit dem Museumszug, einem wiederhergestellten Abschnitt der alten Munitionsbahn. Die etwa vier Kilometer lange Schmalspurtrasse wurde gebaut, um die Granaten und Kartuschen für die 38cm-Geschütze von den sechs Munitionsbunkern zu den vier Geschützbatterien zu transportieren.

Nach der Zugfahrt geht's ins Gelände.
Den Bunkern kann man quasi nicht ausweichen.
Bunker mit Meerblick. Auch wenn sie die Natur die Bunker langsam zurückholt, können sie betreten werden.
Ab in den Untergrund.
Die etwa zehnminütige Fahrt über einen Kilometer der Trasse führt erst durch einen Munitionsbunker vom Typ Regelbau S 468 für die Munition der 38cm-Geschütze, dann durch den Geschützbunker der Batterie. Deutsche sind effektiv: Bunker wurden in Fertigbauweise hergestellt. Wie alle Bunker auf dem Museumsgelände sind auch diese frei zugänglich - auf eigene Gefahr. Im Sommer muss man dabei halt auf die Museumsbahn aufpassen ...

Wir kreuzen die Feldbahnstrecke.
Der Geschützstand der 38cm-Batterie Hanstholm I.
Blick auf den Hafen von Hanstholm, dem größten Fischereihafen Dänemarks.
Der Danebrog bietet Orientierung.
Während des Zweiten Weltkrieges war das gesamte Gelände der Bunkeranlage eine karge Dünenlandschaft. Nach der Befreiung begann die dänische Regierung, aufzuforsten, auch, um der Stadt Hanstholm einen Windschutz zu geben. So kann man heute lange durch einen abwechslungsreichen Dünenwald wandern. Mitte Juni, als wir dort waren, roch es zudem wunderbar nach Fliederbeerblüten und Heckenrosen - eine schöne Abwechslung zur bedrückenden Atmosphäre der Bunkeranlage.

Wir haben das Museum wiedergefunden. 
Ein 56cm-Geschütz  (und noch ein paar andere) am Eingang des Museums.
Dieser Beitrag geht zur Urlaubslinkparty und zu Brücken und Wege.

Tipps:
  • Unbedingt einen ganzen Tag für den Besuch des Museums samt Außengelände einplanen (mehr geht natürlich immer).
  • Im Frühjahr, Sommer oder Herbst lohnt es sich, einen Stoffbeutel dabei zu haben, um Fliederbeerblüten, Beeren, Hagebutten oder Pilze zu sammeln. 
  • Festes Schuhwerk und wetterfeste Kleidung sind praktisch.
  • Bis in den Herbst hinein gibt es geführte Bunkerwanderungen (auf Dänisch, gelegentlich auch auf Deutsch).
  • Falls Du zwei Tage Zeit in Hanstholm verbringen kannst oder viel Kondition hast: In der Museumscafeteria gibt es ein Faltblatt in deutscher Sprache mit einem Rundgang zu den Überresten der Besatzungszeit in Hanstholm
  • In der Museumscafeteria können nur mitgebrachte Speisen und Getränke verzehrt werden, also nimm Dir Verpflegung mit (im Museum gibt es Eis und Kaltgetränke). Auf dem Gelände gibt es Picknickmöglichkeiten. 
  • Die Fahrt mit der Munitionszugsfeldbahn ist nett, um die Dimension des Geländes zu verdeutlichen, gerade, wenn man nicht laufen kann oder mag. 
  • Falls Du gerne Krimis liest: "Donnergrollen*" von Wimmer Wilkenloh spielt sowohl 1941 in und um Hanstholm als auch heute in Eiderstedt und Klitmøller. Unbedingte Leseempfehlung!
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Montag, 24. Juli 2017

Impressionen aus dem Museumscenter Hanstholm (Dänemark): Im Museumsbunker (Batterie Hanstedt II)

Im Juni-Dänemark-Urlaub klappte es endlich mit dem von mir schon lange geplanten Besuch im Museumscenter Hanstholm. In Hanstholm, den einstigen Dorf Hanstedt, befinden sich die Überreste einer großen Festungsanlage, mit der die deutschen Besatzer die Landung der Alliierten im besetzten Dänemark verhindern wollten.

In der Ausstellung.
Der Weg in den Bunker der Batterie Hanstedt II führt über die Bahnschienen. Die Wände sind nur knapp 2 m hoch.
Zusammen mit der Schwesteranlage "Vara" im norwegischen Christianssand  gehörte die Anlage zum sogenannten Atlantikwall, der sich auf knapp 2.700 km von der Atlantikküste über den Ärmelkanal bis zum Skagerrak erstreckte. Ihre Aufgabe bestand darin, den Schiffsverkehr im Skagerrak zu unterbinden und damit den Zugang in die Ostsee zu versperren. Zwar reichte die Geschützweite nicht aus, um die 120 km große Spanne des Skagerrak zu überbrücken, aber da waren die deutschen Militärs pragmatisch: In die Mitte kamen Minen, fertig.

Einer der Munitionszüge.
Die Festung Hanstholm bestand aus etwa 400 Bunkern, und es ist bis heute kaum möglich, durch den Ort zu gehen, ohne auf welche zu treffen. Wenn sie intakt und zugänglich sind, werden sie weiter genutzt, allerdings zivil. Insgesamt existieren in Dänemark noch 6.000 der einst 7.000 deutschen Bunker.

Einer der Mannschaftsräume.
Alle ehemaligen Bunker auf dem Museumsgelände sind, wie fast alle der noch erhaltenen Bunker, frei zugänglich. Es empfiehlt sich also, eine Taschenlampe mitzunehmen (notfalls kann man auch im Museumsshop welche kaufen). Ich hatte keine Lust, durch dunkle Bunker zu stapfen, das habe ich in einem früheren Leben oft genug gemacht, aber der einst militärische Gatte war schwerst beeindruckt. Ich genoss derweil die Aussicht und hoffte, dass er irgendwann wieder zu Tage kommt (was er immer wieder brav tat).

Puppen sollen auch die Enge der Wohnverhältnisse im Bunker verdeutlichen. Insgesamt waren 112 Männer gleichzeitig im Bunker untergebracht.
Der Rundgang beginnt sinnvollerweise im Dokumentationszentrum über dem Museumsbunker. Die Ausstellung wurde im letzten Jahr neu konzipiert und ist dreisprachig (Dänisch, Englisch, Deutsch). Schwerpunkt liegt auf dem Komplex "Feind und Nachbar", dem Leben der Dänen unter und mit den deutschen Besatzern.

Im Vergleich zur Mannschaftsunterkunft ist die Kommandeursunterkunft gerade zu geräumig.
Gegenüber der Kommandeursunterkunft zeigt ein Wandbild von der Sehnsucht nach diesem "Draußen".
Die Darstellung ist sehr ausgewogen, und man merkt, wie schwierig das Thema für beide Seiten immer noch ist. Schade fand ich, dass der Bereich der Besatzungskinder, also der Kinder dänischer Frauen und deutscher Männer, ausgespart wurde, aber wie gesagt: Das Thema ist noch immer schwierig. Fast hatte ich den Eindruck, mehr über die Schicksale der deutschen Soldaten als der dänischen Zivilbevölkerung erfahren zu haben.

Die sanitären Anlagen in den Mannschaftsunterkünften.
Im Komplex "Die Kriegsmaschinerie" beeindruckte mich vor allem die Biographie eines jungen Hamburgers, der in der Festungsanlage hingerichtet wurde, nachdem sein Vorhaben, im Heimaturlaub mit seiner Verlobten in die Schweiz zu fliehen, also zu desertieren, scheiterte. Aber natürlich gibt es auch einiges an Waffen zu sehen.

Die sanitären Anlagen in den Mannschaftsunterkünften.
Beeindruckend und zugleich bedrückend ist der Rundgang durch den 3000m² großen Museumsbunker, der ehemaligen Batterie Hanstedt II. Der Großteil der einstigen Munitionsräume, der Kesselbettung sowie der Mannschafts- und Technikabteilung ist zugänglich und restauriert. Entweder sind die Räume mit Originalmobiliar ausgestattet oder werden als Ausstellungsräume genutzt. Es gibt auch eine Ausstellung zum Film "Die Olsen-Bande fährt nach Jütland", der auch in einigen ehemaligen Bunkern gedreht wurde,

Im Maschinenraum. Mannschaftsräume und technischer Bereich verfügten über eigene Strom. und Wasserversorgung.
Nach der langen Zeit unter der Erde war ich froh, wieder ans Tageslicht zu kommen. Ein paar Impressionen vom Außengelände des Museumscenters (die ehemalige Batterie Hanstedt I) zeige ich Dir morgen.

Sockel des 38cm-Geschützes der Batterie Hanstedt II.
Dieser Beitrag geht zur Urlaubslinkparty und zu den Montagsfreuden.

Tipps:
  • Unbedingt einen ganzen Tag für den Besuch des Museums samt Außengelände einplanen (mehr geht natürlich immer).
  • Festes Schuhwerk und wetterfeste Kleidung sind praktisch.
  • Bis in den Herbst hinein gibt es geführte Bunkerwanderungen (auf Dänisch, gelegentlich auch auf Deutsch).
  • Falls Du zwei Tage Zeit in Hanstholm verbringen kannst oder viel Kondition hast: In der Museumscafeteria gibt es ein Faltblatt in deutscher Sprache mit einem Rundgang zu den Überresten der Besatzungszeit in Hanstholm
  • In der Museumscafeteria können nur mitgebrachte Speisen und Getränke verzehrt werden, also nimm Dir Verpflegung mit (im Museum gibt es Eis und Kaltgetränke). Auf dem Gelände gibt es Picknickmöglichkeiten. 
  • Die Fahrt mit der Munitionszugsfeldbahn ist nett, um die Dimension des Geländes zu verdeutlichen, gerade, wenn man nicht laufen kann oder mag. 
  • Falls Du gerne Krimis liest: "Donnergrollen*" von Wimmer Wilkenloh spielt sowohl 1941 in und um Hanstholm als auch heute in Eiderstedt und Klitmøller. Unbedingte Leseempfehlung!
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Sonntag, 16. Juli 2017

#12von12 im Juli 2017

Wie in jedem Monat sammelt Caro von Draußen nur Kännchen unsere 12 Impressionen vom 12. Für mich war's ein Arbeitstag, an dem noch immer die G20-Nachwirkungen zu spüren waren. Ich komme zu spät ins Büro, auch, weil mein üblicher Arbeitsweg an den Überresten der ausgebrannten Autos entlang führt. Da fährt der eine oder andere immer noch langsamer, um mal zu gucken, und das eine oder andere Wrack wird gerade abtransportiert. Es ist aber schon besser als am Montag und Dienstag, wo phasenweise gar nichts mehr ging.

#1: Erledigte Arbeit.
#2: Dringend erforderliche Flüssigkeitszufuhr.
#3: Mittagessen.
Normalerweise ist es die erste Stunde im Büro ruhig, so dass ich in Ruhe Zeitung lesen kann. Ja, ich verdiene unter anderem damit mein Geld. Heute komme ich nicht dazu, denn das Telefon klingelt dauernd. So habe ich dann schnell einen großen Stapel Notizzettel. Ein sehr schönes Geräusch ist es, sie nach Erledigung zu zerreißen.

#4: Warten auf die Regierungserklärung.
#5: Bastelarbeit im und für's Büro.
Mittags zeichnet sich ab, dass ein Termin am nächsten Tag, zu dem nur ein kleiner Teilnehmerkreis kommen sollte, doch deutlich größer ausfallen wird. Also heißt es, einen neuen Raum zu finden, was sich als schwierig herausstellt. Zudem muss noch eine Vorbesprechung in die Terminkalender gequetscht werden, für die es natürlich auch noch einen Raum braucht. Kurz vor Feierabend ist dann alles unter Dach und Fach, ist mein Ohr heiß telefoniert.

#6: Endlich Feierabend.
Als die Kollegin, die die Räume vergibt, darum bittet, ihr einen aktualisierten Auftragsschein zu mailen, damit sie weiß, was ich wann wo für wie viele Personen brauche, seufze ich nur, dass ich das inzwischen auch nicht mehr weiß. Am nächsten Tag geht dann aber alles gut. Einzig Blaumann I ist zu spät, aber für den bin ich gerade nicht verantwortlich.

#7: Schnell noch zur Packstation, ein paar Bücher befreien.
Normalerweise nehme ich den Stress in meinem Arbeitsbereich nicht als belastend wahr. Das geht mir eher mit den Vertretungsdiensten so. Heute aber empfinde ich den Tag wirklich als heftig und bin froh, als Feierabend ist (und dass ich nicht obendrauf noch Vertretungsdienst machen muss, sondern in meinem kleinen Büro sitze, wo ich die Tür einfach zu machen kann, wenn ich Ruhe brauche).

#8: Tanken und Belohnungseiskonfekt.
Auf dem Heimweg fahre ich noch zur Packstation. Da mein Büro vorübergehend nicht im Einkaufszentrum ist, ich also keine Buchhandlung in der Nähe habe, habe ich einige Bücher bestellt. Durch die Fahrt zur Packstation komme ich auch an der Tankstelle vorbei. Das ist auf meinem normalen Arbeitsweg schwierig (auch eine Folge der Büroverlagerung).

#9: Vorbereitungen für's Abendessen.
#10: Essen ist fertig.
Zu Hause gehe ich gleich in die Küche. In den letzten Tagen kochte der Gatte, so dass es oft erst gegen neun Uhr Abendessen gab - das ist mir einfach zu spät. Also übernehme ich den Küchendienst.  Der Gatte räumt derweil die Spülmaschine aus und ein. Wir essen, und rechtzeitig zum Beginn des Films "Die Frau in Gold" falle ich auf's Sofa und häkle. Das Rückenteil des Kleides ist fertig, jetzt kommt das Vorderteil dran.

#11: Das Kleid weiterhäkeln.
#12: Lesen*.
Mehr oder weniger falle ich gleich nach dem Film ins Bett. Bevor mir die Augen zufallen, lese ich noch etwas in "Das Geheimnis des weißen Bandes*" von Anthony Horowitz.

Die Rezepte zum Tag gibt's in der Kombüse.

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Freitag, 7. Juli 2017

Sieben Sachen Sonntag KW 26/17

Gefühlt verbrachte ich den halben Sonntag in der Küche. Aktuell läuft ja in Hamburger der G20-Gipfel, was für mich bedeutet, dass ich zwei Tage den ÖPNV nutzen muss, da auf meinem Fahrtweg Sperr- und Sicherheitszonen sowie diverse Demorouten liegen. An einem Tag muss ich wegen unseres Betriebsausflugs auch mit dem ÖPNV fahren.

#1: Ich habe fertig: Rauke-Erdbeer-Salat und Stachelbeer-Zucchini-Salat.
Mit dem ÖPNV zu fahren, ist natürlich nicht weiter schlimm, heißt aber, dass ich jeden Tag anderthalb Stunden länger unterwegs bin, eher mehr, wenn's zu Blockaden und Sabotagen kommt. Ich hätte lieber das Rad genommen, aber auch mit dem müsste ich auch durch Sperr-, Transfer- und Sicherheitszonen sowie diverse Demorouten.

#2: Zucchini in Streifen schneiden.
Also fahre ich mit dem Auto zur S-Bahn, in der ich eine unbestimmt Zeit verbringe, bevor ich in die U-Bahn umsteige, in der ich eine unbestimmte Zeit verbringe, bevor ich dann den Rest durch Sperr- und Sicherheitszonen sowie diverse Demorouten bis ins Büro zu Fuß zurücklege.

#3: Rauke hacken.
Wenn ich schon mich durch den ÖPNV schleppen muss, will ich nicht auch noch Mittagspausenverpflegung mitschleppen, und so bereite ich am Sonntag so viel wie möglich zu und vor, um es in Bürokühlschrank deponieren zu können. Gerade Schichtsalate im Glas eignen sich da sehr gut.

#4: Abendessen. Es gibt Kartoffel-Feta-Burger.
Am Ende des Tages werde ich zwei Portionen Rauke-Erdbeer-Salat, eine Portion Stachelbeer-Zucchini-Salat, Erdbeer-Fliederbeerblüten-Limonade und Erdbeer-Wassermelonen-Smoothie zubereitet haben. Das sollte reichen. Notfalls geht's zum Imbisswagen Foodtruck, in die Kantine oder zur benachbarten Tankstelle.

#5: Häkeln.
Natürlich häkle ich auch weiter an meinem Kleid. Ich hoffe, dass ich das Rückenteil am Wochenende fertig bekomme. Dann lege ich eine Pause ein, um Filzpuschen für Mudderns Geburtstag zu stricken.

#6: Handtasche umpacken und Fahrgeld bereit legen.
An diesem Sonntag komme ich nicht ganz so spät  ins Bett, da mich der ZDF-Krimi nicht interessiert. Stattdessen lese ich lieber noch etwas in "Altherrenjagd*" von Andreas Schröfl.

#7: Lesen*.
Dieser Beitrag geht rüber zum Sieben Sachen Sonntag bei Frau Grinsestern. Die Rezepte gibt es wie immer in der Kombüse.

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Mittwoch, 5. Juli 2017

WMDEDGT 07/17

Jeden Monat am 5. fragt Frau Brüllen "Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?", kurz WMDEDGT? Bei mir sah das heute so aus:

Der Gatte ist wie üblich vor mir auf, so dass der Kaffee schon fertig ist, als ich aus dem Bett robbe. Ich schlafe seit einigen Wochen schlecht, bin entsprechend neben der Spur. Unter der Woche braucht aber jeder von uns ohnehin morgens seine Ruhe. Während sich der Gatte in der Küche Brote schmiert, gucke ich durch die Mails, die sozialen Medien und die Zeitungen. Nebenbei läuft der Deutschlandfunk.

Nachdem der Gatte gegangen ist, gehe ich in die Küche und schmiere mir ebenfalls Brote. Außerdem wiege ich trockenes Brot für das Abendessen ab und lege es in Milch ein. Anschließend fülle ich den Ansatz für eine Stachelbeer-Minz-Limonade um, den ich am Vorabend ansetzte, nehme noch das Mittagessen für die nächsten beiden Tage aus dem Kühlschrank und packe es in die Korbtasche für's Büro. Wegen des G20-Gipfels fahre ich heute zum letzten Mal in dieser Woche mit dem Auto, denn ab dem nächsten Tag 12 Uhr müsste ich durch Sicherheits- und Transferzonen durch. Da lasse ich das Auto stehen, nehme die Bahn und nur eine kleine Handtasche mit, denn ich vermute, die Glasflaschen, in denen ich mein Essen normalerweise transportiere, kommen bei eventuellen Kontrollen nicht so gut an (abgesehen davon sind sie schwer).

Jetzt noch schnell duschen, eine schwarze Klamotte überwerfen und ab ins Auto. Die Straßen sind nochmal leerer als an den beiden Tagen zuvor. Viele scheinen Gipfelurlaub genommen zu haben. Ich bin also pünktlich staufrei im Büro.

Mein Chef kam kurzfristig auf die Idee, für den nächsten Tag einen Termin mit dreistelliger Teilnehmerzahl im Rathaus zu organisieren. Die Organisation nimmt weniger Zeit in Anspruch als die Beantwortung der Frage, ob die Innenstadt denn überhaupt noch betreten werden darf. Die Frage beschäftigt mich nicht zum ersten Mal. Inzwischen kann ich das HVV-Verkehrskonzept für den Gipfel in- und auswendig. Ich bin kurz davor, jedem der mich nach einer Zugangsberechtigung fragt, einfach ein Blatt Papier mit der Aufschrift "Passierschein A38" zu schicken und zu gucken, ob wer was merkt (die Hamburger Innenstadt samt Rathaus ist frei zugänglich, während des gesamten Gipfels übrigens, U- und S-Bahnen fahren, nur die Busse nicht).

Für diesen Termin braucht der Chef auch noch Unterlagen, die gestaltet und ausgedruckt werden müssen - auf einem Papier, das nicht zur Standardbüroausstattung gehört. Die Materialausgabe könnte das binnen 24 Stunden beschaffen - zu spät für den Termin. Glücklicherweise brauchte ein Kollege letztens genau dieses Papier, bestellte ein Paket mehr und deponierte das in meinem Büro, wo gerne alles gelagert wird, was gerade im Weg ist. Und glücklicherweise erreiche ich ihn krank zu Hause, so dass er mir sagen kann, wo in seinem Büro das andere Paket deponiert ist und wer einen Schlüssel für sein Büro hat. Wenn wir keine Fehldrucke machen, reicht es.

Ich erstelle also die Teilnehmerliste, gestalte die Unterlagen, nehme den Drucker einer Kollegin in Beschlag, denn mit dem kostbaren Papier will ich nicht den Netzwerkdrucker nutzen, nachher kommt da noch ein anderer Druckauftrag dazwischen, lege mir alles für die Mitnahme am nächsten Tag bereit, denke daran, Schilder zu drucken, damit alle Teilnehmer auch den Treffpunkt bzw. mich erkennen, und als alles fertig ist, fällt mir noch ein, dass ich mit der Kollegin am Treffpunkt besser noch mal die Uhrzeit absprechen sollte, damit sie nicht eine halbe Stunde doof in der Gegend steht.

Mittags steht der Termin für den nächsten Tag, liegen alle Unterlagen auf der Fensterbank, damit ich sie am nächsten Tag mitnehmen kann. Die Aktualisierung der Teilnehmerliste wird noch den Rest des Tages über laufen.

Zwischendrin klingelt immer wieder das Telefon, schreibe ich eMails, erstelle Adresslisten, erteile Genehmigungen, kontrolliere Urlaubsanträge, kümmere mich darum, dass der Chef dringende Anfragen, die nur er entscheiden kann, erledigt ... Den Chef sehe ich keine halbe Stunde, der hetzt von Termin zu Termin. Zum Glück maile ich gerne. Dass das VPN des Chefs Schluckauf hat, ich Mails doppelt erhalte oder gar nicht, macht es nicht einfacher.

Mittags wäre ich gerne zur Kunstaktion "1000 Gestalten" gehuscht, aber die Mittagspause fällt wieder mal aus. Immerhin fällt mir auf, dass mir schwindelig ist, dass ich Kopfschmerzen habe, weil ich seit Stunden nichts trank. Da ja meine komplette Wochen-Mittagspausen-Verpflegung im Bürokühlschrank steht, kann ich aus dem Vollen schöpfen, nehme ich mir ein Stück Wassermelone und einen Erdbeer-Wassermelonen-Smoothie und nenne mich zukünftig "Meal Prepper".

Nachmittags steht ein langer Mediationstermin mit Kollegin II an. Nun ja. Immerhin verlässt der Mediator nicht schreiend den Raum.

Auf dem Heimweg habe ich Glück, denn der Stau wegen einer Demo ist in der Gegenrichtung. Ich denke daran, Sonnenbrille und Büroschlüssel aus dem Auto zu nehmen, denn man nächsten Tag nutze ich ja den HVV, da ist es dann doof, wenn der Büroschlüssel im Auto ist. Außerdem muss noch einiger Krams weggepackt werden, der nicht rumliegen soll, wenn das Auto den ganzen Tag auf einem öffentlichen Parkplatz steht.

Im Briefkasten ist eine Benachrichtigung, dass ein Paket, das ich versehentlich nicht an den Paketshop schicken ließ, bei einer unbekannten Nachbarin abgegeben wurde. Ich laufe durch die Straße, suche und finde die Hausnummer, bekomme das Paket und falle auf's Sofa, denn ich will die Sendung "Wie geht das? G20-Gipfel" sehen, weil's da auch um meine Arbeit geht.

Während die Sendung noch läuft, kommt der Gatte nach Hause, später als sonst, da noch Erledigungen auf dem Heimweg zu machen waren. Er ist so abgekämpft, dass ich ihn erstmal in Ruhe lasse. So bereite ich dann das Abendessen alleine zu - normalerweise kommt der Gatte dann auch in die Küche, räumt die Spülmaschine aus und wieder ein und wir reden über unseren Bürotag. Zum Abendessen gibt es Brotfrikadellen in Tomatensauce, die dem Gatten, der erst sehr widerwillig aß, dann doch so gut schmeckten, dass er sich eine Portion als Büromittagessen für den nächsten Tag sichert.

Ich häkle noch ein bisschen und überlege dabei, dass es sinnvoller ist, für die nächsten beiden Tage doch die Messenger Bag zu nehmen statt einer kleinen Handtasche, denn im schlimmsten Fall muss ich viel laufen, und da stört mich die Messenger Bag am wenigsten. Also packe ich wieder die Handtaschen um. Die Sporttasche muss auch noch gepackt werden, wobei unklar ist, ob wir wegen eines G20-Konzerts im Volkspark am nächsten Tag überhaupt in die Turnhalle kommen. Bei Großereignissen im Volkspark bricht im Hamburger Westen der Verkehr zusammen, können wir teilweise nur mit Ausweis die Turnhalle erreichen. Momentan ist auch noch ein NoG20-Camp im Volkspark, das vereinfacht die Situation nicht.

Außerdem lege ich die Klamotte für den nächsten Tag raus - samt Turnschuhen, trotz staatstragendem Termin im Rathaus. Sollten irgendwelche Vollpfosten tatsächlich U- und S-Bahnen blockieren oder sabotieren, will ich nicht kilometerweit in Trittchen unterwegs sein. Jetzt noch Wäsche aufhängen, ins Bett fallen und die letzten Seiten von "Altherrenjagd*" lesen, dann war's das auch schon wieder mit diesem Tag.

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