Montag, 8. Februar 2016

Wo man schon mal einen 400 Jahre alten Teller zerbrechen kann oder: Bei #Ausgegraben im Helms-Museum

Zum zweiten Mal lud das Archäologische Museum Hamburg (AMH), von alten Frauen wie mir immer noch "Helms-Museum" genannt, zu einem Social-Media-Abend ein, diesmal in die aktuelle Sonderausstellung "Ausgegraben. Harburg archäologisch". Sie läuft bis zum 10. April 2016.

Erstmal einen Überblick verschaffen.
Gleich geht's los. 
Als ich erzählte, wohin ich gehe, war ich erstaunt, wie wenig Menschen das AMH kennen. Für'n ordentlichen Hamburger ist eben alles südlich der Elbe schon Balkan. Ich hingegen ging in Harburg zur Schule, war als Kind schon öfter im Helms-Museum, dann als Studentin, später mit diversen Kindern, und heute treffe ich mich mindestens einmal im Jahr dort mit E., um eine Sonderausstellung zu sehen.

Während der Führung wurde fleißig getwittert, gefragt und geknipst.
Falls Du das AMH noch nicht kennst: Hin da! es lohnt sich! Es tut auch gar nicht weh, mit der S-Bahn über die Elbe zu fahren - die S-Bahn bringt Dich sogar wieder zurück nach Hamburg, versprochen!

Getöpfertes und Geschnitztes. 
Aber zurück zum Social-Media-Abend: Knapp 50 Twitterer, Instagramer und Blogger folgten der Einladung des Museums zu einer Führung und anschließendem Beisammensein bei wunderbarstem Kehrwieder-Bier und Bretzeln.

Nicht ausgegraben, aber sehenswert: Der Kronleuchter im Treppenhaus. 
Nach einer kurzen Einführung ging's in die Ausstellung. "Ausgegraben" präsentiert die Ergebnisse zweijähriger, umfangreiche Ausgrabungen auf der Harburger Schlossinsel und im Bereich der Harburger Schlossstraße. Es war eine der bisher größten Stadtkerngrabungen Hamburgs und gehörte zu den größten archäologischen Grabungsprojekten dieser Art in Deutschland.

Blieb sicher allen im Gedächtnis: Die bislang erste bekannte Gelenkschere Deutschlands (unten). Sie stammt aus dem 16. Jahrhundert und wurde in Harburg ausgegraben. 
Ausgestellt ist ein Teil der über 36.000 Funde, die von den Anfängen Harburgs als Grenzfestung und dem späteren Herrschaftssitz der Harburger Herzöge, von dem Militärwesen des 17. und 18. Jahrhunderts und der Industrialisierung erzählen.

Fayencen aus dem 17. Jahrhundert. 
Die Ausstellung ist in unterschiedliche Bereiche des täglichen Lebens gegliedert. Haus und Hof haben ebenso ihren Platz wie Handel und Handwerk, Wein, Weib und Gesang oder die Religionen. Es gibt viele Entdeckungen zu machen wie die erste Gelenkschere, Playmobil-Vorläufer aus Knochen oder den Umstand, dass Pilgern durchaus ein Beruf sein konnte und Harburg am Jakobsweg lag.

Dieser Krug hat's mir angetan. Er ist 400 Jahre alt, passt aber wunderbar zu meinem Geschirr aus den 1970ern. 
Unter museumsdidaktischen Gesichtspunkten finde ich es bei den Sonderausstellungen des Helms-Museums schade, dass oft nur Flachware präsentiert wird, denn wie auch Archäologe Kay-Peter Suchowa am Ende der Führung, als er ein paar Funde herumreichte, sagte: "Zum Lernen gehört Begreifen."

Keramik aus ein paar Jahrhunderten.
So spannend die Ausstellung ist: Der Besucher ist doch in einer ziemlich passiven Rolle. Eine Führung ist daher sehr zu empfehlen. Suchowa führte launig durch die Ausstellung und ließ sich auch nicht irritieren, als versehentlich eine 400 Jahre alte Fayence zu Bruch ging. "Die war eben schlecht geklebt."

Da war der Teller noch eins: Archäologe Suchowa animiert zum Anfassen einiger Fundstücke, denn: "Zum Lernen gehört auch das Begreifen".
Da war der Teller wieder ein Puzzle: Beim Herumreichen ging die Fayence entzwei.
Danke an das Helms-Museum für den inspirierenden Abend und den wegweisenden Umgang mit Social Media im Museum!

Links:
#Ausgegraben-Tweetwall
#Ausgegraben-Storify
Mein Stativ, das so viele Blicke auf sich zog

Dieser Beitrag macht mit bei den "Montagsfreuden".

1 Kommentar:

  1. Moin Sabine!
    Ein hervorragender Bericht über diesen tollen Abend, den ich mit dir dort verbringen durfte!
    Noch einmal vielen lieben Dank für deinen tollen Fahrservice!
    Herzliche Grüße,
    Kirsten

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