Montag, 14. August 2017

#12von12 im August 2017

Wie in jedem Monat sammelt Caro von Draußen nur Kännchen unsere 12 Impressionen vom 12. Am Vortag endeten für mich drei Wochen Vertretungsdienst. Ich war sehr erleichtert. Außerdem kam ich am letzten Sonnabend auf die Idee, in die Tablettenbox für freitags und sonnabends die doppelte Dosis Magnesium zu geben, damit ich ohne Verspannungen aufwache. Das klappte prima. 

#1: Overnight Oats mit Melone (und Kaffee).
#2: Den Wochenplan schreiben.
#3: Auf zum Einkaufen! Und: Ja, der Gatte hat einen schlechten Biergeschmack. Aber der ist groß, der darf das. 







Unter der Woche stehe ich anscheinend so unter Strom, dass ich zu verspannt bin, um mich weiter zu verspannen. An den Wochenenden kann ich mich dann kaum bewegen. An der Ursache kann ich nichts ändern, aber wenn sich die Symptome eindämmen lassen, bin ich froh.


#4: Seitdem das Büro nicht mehr im Einkaufszentrum ist, ist sonnabends der Geldautomat der erste Stop auf dem Einkaufsweg. Sonst gibt's die Woche über kein Bargeld.

Heute muss ich mir keine Gedanken ums Frühstück machen, denn am Vortag aß ich im Büro kein Mittagessen. Ich hatte einfach keinen Hunger. Dafür habe ich nun Overnight Oats mit Melone - lecker!


#5: Kein vorbildlicher Einkauf, ich weiß. 
#6: Die Packstation.
Der Dauerregen macht uns einen Strich durch die Rechnung, denn eigentlich wollten wir früh in den Tag starten, auf den Markt, in den Garten und abends auf den Energieberg nach Wilhelmsburg, Sternschnuppen gucken. Das fällt buchstäblich ins Wasser. 


#7: Blutampfer ernten für das Abendessen.
Also lungern wir rum, starten erst nachmittags zum Einkaufen. Der Gatte muss nicht arbeiten, deswegen haben wir keinen Zeitdruck. Es geht erst zur Bank, dann in einen Backshop, wo ein Paket liegt, in den Supermarkt, zur Packstation und in einen Drogeriemarkt. Danach ist bei mir erst mal ein Nickerchen angesagt.


#8: Postkarten an die in der Türkei inhaftierten Journalisten Deniz Yücel und Meşale Tolu. Die Mainzelmännchen, so sie denn ankommen, machen hoffentlich Tolus zweijährigem Sohn Serkan Freude. Er ist mit ihr inhaftiert.
Der Abend besteht aus dem Kochen des Abendessens, aus Häkeln (tschakka, mein Kleid ist nach acht Wochen fertig!), einem Telefonat mit Mudderns und dem Schreiben von Postkarten an die in der Türkei inhaftierten Journalisten Deniz Yücel und Meşale Tolu. 


#9: Das Kleid zusammenhäkeln.
#10: Die Änderungen an der Häkelanleitung notieren, falls ich das Kleid nochmal mache.
Aus dem früheren Engagement für Amnesty International weiß ich, wie wichtig solche Post ist. Auch, wenn sie nicht immer bei den Gefangenen ankommt, beschäftigt sie viele Behördenmitarbeiter, zeigt ihnen, dass die Gefangenen nicht vergessen sind. Das ist eine durchaus effektive Form, Sand ins Getriebe zu streuen. 


#11: Ab ins Bett. Das Shirt brachte mir der Gatte letzten Sonnabend aus der Stadt mit. 
#12: Noch etwas lesen: "Verdammte Deutsche!*" von Gerhard Seyfried.
Ich will das Häkelkleid unbedingt fertig bekommen, damit ich es Ende der Woche tragen kann. Dementsprechend komme ich zu spät ins Bett. 

Die Rezepte zum Tag gibt's wie immer in der Kombüse.

Samstag, 5. August 2017

WMDEDGT 08/17

Jeden Monat am 5. fragt Frau Brüllen "Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?", kurz WMDEDGT?

Bei mir war der heutige Tag geprägt von den Nachwehen des Vertretungsdiensts. Kollegin I und Kollegin II hatten letzte Woche beide Urlaub, ich musste also zwei Vertretungsdienste übernehmen. Das ist für mich ziemlich anstrengend, zumal ich damit rechnen muss, dass Kollegin II mich Montag wieder in Grund und Boden brüllt, weil ich ihrer Meinung nach alles falsch mache.

Da ich um 11 Uhr mit terschies verabredet bin, um nach ihrem Umzug nochmal zum Recyclinghof zu fahren, stelle ich mir den Wecker, denn zurzeit bin ich so erschöpft, dass ich an den Wochenenden bis mittags schlafe.

Heute liege ich allerdings schon seit vier Uhr wach. Erst, als der Wecker klingelt, schlafe ich noch mal für eine halbe Stunde ein. Als ich um halb neun aufstehe, bin ich so verspannt, dass bei einer falschen Bewegung ein Hexenschuss droht. Dementsprechend bewege ich mich langsam und vorsichtig.

Zum Glück kommt der Gatte mit zu terschies - sein Wagen hat Sitzheizung, die tut meinem Rücken gut. Wie beim Laminattransport ist bei terschies alles bestens organisiert. Und auch die Jungs von Recyclinghof haben die samstägliche Schlange gut im Griff. Nur an Pinnebergern* scheitern sie, denn das Drive-Through-Prinzip des Recyclinghofs ist für Pinneberger zu kompliziert.

Anstatt mit dem Wagen an den Container zu fahren, auszuladen und weiterzufahren, bleibt der PI-Döspaddel vor uns direkt nach der Einfahrt mittig auf der Fahrspur stehen, und sein Beifahrer trägt jedes Teil einzeln zu den jeweiligen Containern ...

Bevor der Gatte die Pinneberger in einen Restmüll-Container stopft, drücke ich ihm die paar Regalteile in die Hand und nehme selbst das Altmetall. Wir laufen kurzerhand zu den passenden Containern, und als wir wieder am Auto sind, konnten die Müllmänner die Pinneberger gerade überzeugen, ihren Bulli an die Seite zu fahren - angesichts der wütenden Warteschlage dahinter war das für alle Beteiligten gesünder.

Der Gatte setzt mich zu Hause ab und macht sich dann wieder auf den Weg in die Innenstadt. Ich kümmere mich derweil ein bisschen um den Haushalt, mache mir was zu essen und kühle einen Bluterguss. Den holte ich mir zwar schon gestern, als ich auf der (vergeblichen) Suche nach dem Ehering von Blaumann II kopfüber in Müllcontainern hing, aber erst heute macht er sich bemerkbar.

Während der Gatte sich durch die Innenstadt shoppt, erledige ich das Gleiche online. Für mein Häkelkleid fehlen mir zwei, drei Knäuel, und um die Versandkosten zu sparen, bestelle ich gleich das Material für eine Tasche mit, die eh auf der Wunschliste steht. Dann brauchen diese Turnschuhe*** dringend ein neues Zuhause, denn meine Lieblingsneaker fallen mir schon von den Füßen.

Schließlich gucke ich nach Hotel- und Zug- bzw. Flugverbindungen für Berlin, Belgrad und Prag, denn es scheint, als hätten der Gatte und ich in diesem Jahr noch drei gemeinsame Tage Urlaub.

Gegen 15 Uhr lege ich mich ein bisschen hin, lese ein bisschen in "Verdammte Deutsche!***" und schlafe ein, was nicht am Buch liegt, sondern daran, dass mir beim Lesen im Bett immer die Augen zufallen. Gegen halb fünf ist der Gatte wieder da, hat Mühe, mich zu wecken und Geschenke für mich mitgebracht, darunter Edamame.

Wir trinken zusammen Kaffee und besprechen den Wochenplan, bevor wir das Auto mit Pfand beladen und zum Wocheneinkauf starten. Der Einkauf ist schnell erledigt, wir brauchen nicht viel. Auf der Fahrt sprechen wir über die Urlaubsplanung und entscheiden uns für Prag. Jetzt muss übernächste Woche nur noch mein Urlaubsantrag genehmigt werden.

Wieder zu Hause, wird die Spülmaschine zum zweiten Mal an diesem Tag aus- und wieder eingeräumt. Wir hatten das die Woche über verpeilt, deswegen arbeitet die Maschine heute im Akkord. Der Gatte kümmert sich ums Abendessen (Würstchen und Kartoffelsalat), ich bringe den Müll raus, was sich schwierig gestaltet, da irgendwelche Vollpfosten Altkleider und Decken in den Verpackungsmüll stopften.

Die Stadtreinigung weigert sich, die Tonne zu leeren, bis der Müll sortiert ist. Die beiden anderen Mülltonnen quellen auch über - nur einen Tag nach Leerung. Das Theater haben wir jeden Sommer, wenn die ausländischen Soldatenfamilien im Block wechseln und die Bundeswehr ihre Hinterlassenschaften entsorgt.

Vor dem Abendessen schaffe ich es noch, mit Mudderns zu telefonieren. Danach falle ich auf's Sofa, gucke Fernsehen, häkle, blättere durch "Israel***", dem aktuellen Kochbuch von Mirko Reeh***, und durch das Veranstaltungsprogramm des kommenden Halbjahres im Heidbarghof, dem Kulturzentrum umme Ecke. Vorm Einschlafen lese ich wieder ein bisschen in "Verdammte Deutsche!***".

* Für Nicht-Hamburger I: Mit dem Autokennzeichen PI fahren hier Führerscheinneulinge und Menschen, die ihren Führerschein auf dem Dom** gewonnen haben.

** Für Nicht-Hamburger II: Der Dom ist ein großes Volksfest.

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Freitag, 4. August 2017

Impressionen aus Vestervig (Dänemark): Klostermøllen - die Klostermühle

Neben der Kirche ist auch die historische Klostermühle eine weithin sichtbare Landmarke Vestervigs. Beide waren uns bei unseren Touren immer wieder Orientierungspunkte und signalisierten, dass wir bald wieder in unserem Ferienhaus sind.

Klostermøllen. Heute betritt man die Mühle durch den Keller (im Wall).
Die Holländerwindmühle gegenüber der Kirche wurde 1860 erbaut und tat bis 1960 ihren Dienst. Anfangs wurde dort ausschließlich das Getreide des Klosters zu Mehl gemahlen, bis die Mühle 1909 verkauft wurde und alle Bauern aus der Umgebung ihr Getreide dorthin bringen konnten. Das Geschäft lief gut; die Mühle wurde vergrößert, Land und ein Futtermittelhandel kamen dazu.

Blick in den ehemaligen Mühlenkeller, heute Museumseingang. Neben allerlei Infoblättern kann man dort auch "Mühlenwein" kaufen, chilenischen Wein mit einem Foto der Mühle.
Die Klostermühle ist ein sogenannter Wallholländer, was heißt, dass die Mühle auf einem Wall erbaut wurde, um den Wind besser ausnutzen zu können. Im Wall ist der Keller, durch den man die Mühle heute betritt. Früher wurde hier das Getreide an- und das Korn ausgeliefert. Es gab keine Durchfahrt, was An- und Auslieferung mühsam machte.

Ausstellungsstück. An bestimmten Tagen wird in der Mühle immer noch gemahlen.
Auf dem ersten Mühlenboden.
1964 wurde die Mühle unter Denkmalschutz gestellt, und ein Jahr später kauften Vesterviger Bürger die Mühle, um sie als Kultur- und Industriedenkmal zu erhalten. Bis zur Restaurierung dauerte es dann nochmal über 20 Jahre, aber seit 1991 ist die Mühle für die Öffentlichkeit zugänglich. Ein Verein kümmert sich um die Mühle und ihren Erhalt.

Klostermøllen.
An besonderen Tagen (zum Bespiel dem dänischen Mühlentag am zweiten Sonntag im Juli) gibt es Veranstaltungen. Wenn der Wind es zulässt, wird dann auch gemahlen und Mehl verkauft. Ansonsten kann man zwischen Juni und August täglich das Innere gegen einen kleinen Obolus betreten und auf eigene Gefahr die einzelnen Böden erkunden.

Klostermøllen und Kirche.
Es gibt kleine, ausführliche Infotafeln. Von den kleinen Fenstern hat man einen wunderbaren Ausblick auf den Fjord. Draußen gibt es einen Picknickplatz (ohne den geht in Dänemark ja irgendwie gar nichts) und umfangreiche Informationstafeln zur Geschichte der Windmühle, des Kloster und der Region.

Donnerstag, 3. August 2017

Impressionen aus Vestervig (Dänemark): Das Museum Æ Beeshus

Gelegentlich stolpern wir am Wegesrand über Kleinigkeiten, die Eindruck hinterlassen, wie dieses Museums-Kleinod in einem ehemaligen Kuhstall, Æ Beeshus, gegenüber der Kirche in Vestervig. "Da gab's mehr zu entdecken als in manch großem Museums", meinte der Gatte noch Wochen später. "Und dann ist da kein richtiger Hinweis, und kostenlos ist der Besuch auch noch!"

Kühe vor dem ehemaligen Beeshus.
Okay, aus dem museumspädagogischen Blickwinkel betrachtet, besteht die Ausstellung überwiegend aus Flachware, sprich Infotafeln, aber auch mich nahm das Beeshus für sich ein.

Blick auf das Beeshus und Nedre Kirkegård von der Kirche aus.
In einem Beeshus fand früher das weidende Vieh Schutz vor der Mittagshitze, vor allem aber vor der Rinderdasselfliegen. Das sind ziemlich lästige Biester, die ihre Larven unter der Haut ablegen. Das Rind wird zum Wirtstier, ein starker Befall führt zu Lähmungen, Blutungen, Ödemen und Schädigung des Rückenmarks.

Das charakteristische Summgeräusch der Großen Rinderdasselfliege ruft bei Rindern das "Biesen" hervor. Die Tiere fliehen in Panik vor den Dasseln und beachten weder Zäune noch Gräben oder andere Hindernisse, dadurch ziehen sie sich oft schwere Brüche und andere Verletzungen zu.

Blick ins Beeshus.
Für Dänemark waren diese "Bies-Häuser" aus groben Feldsteinen und mit Reet- oder Schindeldach früher charakteristisch. Heute existieren nur noch wenige davon.

Blick ins Beeshus.
Das Beeshus in Vestervig, das aus dem Jahre 1870 stammt und einst zum Kloster gehörte, wurde liebevoll restauriert und präsentiert heute eine kleine, aber umfassende und liebevoll gestaltete Ausstellung in Dänisch, Englisch und teilweise Deutsch zur Geschichte des Ortes samt Eisenzeit, Christianisierung und Reformation sowie über Natur und Kultur der Region.

Mittwoch, 2. August 2017

Impressionen aus Vestervig (Dänemark): Die Kirche (Vestervig Kirke)

Wie bedeutend der kleine Ort Vestervig einst war, lässt sich an der Kirche erkennen, die weithin sichtbar über der Stadt thront: Vestervig Kirke ist die größte Dorfkirche Skandinaviens und geht zurück auf das Jahr 1060, als der aus Thüringen stammende Missionar Thøger ein erstes kleines Kirchlein aus Reisig und Zweigen errichtete.

Die Kirche von Vestervig.
Die Kirche von der Klostermølle aus gesehen.
Aus Freude über die Ankunft des Missionars entsprang prompt eine Quelle, die bis heute auf dem kleinen Friedhof (Nedre Kirkegård) gegenüber der Kirche sprudelt, denn dort befand sich die erste Kirche. Dieser Kirche folgten rasch zwei weitere, die bis zur Reformationszeit bestanden.

Blick auf den Altar.
Vestervig wurde Bischofssitz und ein beliebter Wallfahrtsort, der Quelle wurde Heilwirkung zugesagt. Neben der Quelle sind auch noch Überreste der ehemaligen Kirchenbauten zu sehen. Es ist ein ruhiger, verwunschener Ort gegenüber der heutigen Kirche.

Blick auf die Kanzel.
Die Kanzel (Detail).
Die Kanzel (Detail).
Vestervig war als religiöses Zentrum einige Jahrhunderte lang so bedeutend, dass zwei große Kirchen nebeneinander existierten. Die heutige Kirche wurde zwischen 1140 und 1160 als dreischiffige Basilika erbaut, zusammen mit einem Kloster, das die Augustiner führten.  Ein Tympanon mit einem Steinfragment erinnert an die einstige Kirche des Heiligen Thøger.

Blick zur Orgel, die zu den zehn größten Dänemarks gehört.
Während der Sommermonate gibt es regelmäßig Konzerte in der Kirche. Dabei erklingt dann auch die 1978 geweihte Orgel, die zu den zehn größten Dänemarks gehört. Falls Du kein Glück hast, die Orgel zu hören, gibt es in der Kirche CDs zu kaufen.

Vestervig: Vorne die Überreste der eisenzeitlichen Siedlung, hinten die Kirche.
Vor der Kirche gibt es Überreste einer Siedlung (Byhøi) aus der Eisenzeit. Es lassen sich noch drei von kopfsteingepflasterten Wegen umgebene Häuser erkennen. Das Meiste ist zwar abgedeckt oder im Museum in Thisted, aber dennoch lohnt sich ein Blick darauf.

Dieser Beitrag geht zur Urlaubslinkparty.

Dienstag, 1. August 2017

Impressionen aus Vestervig (Dänemark): Der Ort

Als ich ein Ferienhaus für den Juni-Urlaub suchte, war mir klar, dass es nicht nach Holmsland Klit geht. Ich wollte einfach mal eine andere Landschaft sehen. Dem Gatten gefiel die Idee, mal woanders zu urlauben, erst gar nicht, aber dann war er doch schnell von der Gegend rund um Vestervig am Limfjord begeistert.

Die Landschaft ist vom steten Westwind geprägt. Diese beiden Bäume faszinierten uns besonders. 
Unser Ferienhaus stand in Kærgården, einer kleinen Ansiedlung direkt am Limfjord, etwa einen Kilometer von Vestervig entfernt. Ein Fußweg führt durch Felder entlang eisenzeitlicher Grabhügel mitten ins Dorf, wo es mit Kaufmann und Geldautomaten alles für den täglichen Bedarf gibt. Leider gibt es hier keine Touristeninformation - die fehlte mir, denn ich gehöre zu den Menschen, die sie sehr gerne nutzen, auch in Zeiten des Internetzes.

Zu den windschiefen Bäumen gehört eine stabile Scheune.
Wie bedeutend Vestervig einst war, lässt sich heute kaum noch erahnen, und noch zu Beginn dieses Jahrhunderts stand das Dorf quasi vor dem Aus: Immer mehr Menschen wanderten ab, es gab keine Einzelhändler mehr, keine Bäcker oder Molkereien, keine Bank oder Post, keine Bücherei, weder Krankenhaus noch Apotheke.

Kaum zu glauben, dass hier einst das Leben pulsierte: Von den vielen Geschäften, die früher an Vestervigs Hauptstraße waren, ist heute kaum noch etwas zu erahnen.
Heute leben etwa 700 Menschen in Vestervig. Sie machen sich viele Gedanken, wie sie das Örtchen lebenswert gestalten können. 2013 schließlich wurde Vestervig mit dem Titel "Dorf des Jahres" ausgezeichnet.

Das sind nicht nur Wolken am Horizont, das ist auch der Limfjord.
Es gelang in den letzten Jahren, Gewerbe und Gewerke anzusiedeln, Häuser wurden renoviert, im Thinghuset, dem einstigen Gericht, leben Künstler, die Workshops anbieten, gibt es eine kleine Ausstellung zur Rechtsgeschichte im früheren Gerichtssaal und den Gefängniszellen.

Klosterpark (mit den Schloten des Heizkraftwerks).
Außerdem gibt es einen gut sortierten Supermarkt, der auch die Aufgaben von Post, Apotheke und Bäcker übernimmt (und direkt gegenüber gibt es einen Geldautomaten). Durch die Kirchenmusikschule kommen viele Musiker in den kleinen Ort, so dass es immer wieder Konzerte gibt. Und seit April diesen Jahres gibt es auch eine Genbrugsbutik, den in Dänemark so beliebten Gebrauchtwarenladen.

Im Klosterpark. Ich vermute, mit der Tafel werden Pétanquespielstände festgehalten.
Vestervig wird auch durch Kleinigkeiten liebenswert: So gibt es Klosterparken, einen Park mit Bolz- und Pétanqueplatz, Natur-Spielplatz, Eislauf- und Rodelbahn, Freilichtbühne, Teich und Bachlauf, der an eine Streuobstwiese mit Schafen grenzt. Überall sind Bänke aufgestellt, worüber sich alte Frauen wie ich sehr freuen.

Einer der Kaffeepausenplätze an der Klostergade, hier auf einem unbebauten Grundstück zwischen zwei Häusern.
Mehr noch: Es gibt entlang der Klostergade, der Hauptstraße, Tische und Bänke für Fußgänger und Radfahrer, die dazu auffordern, hier eine Kaffeepause zu machen (vorausgesetzt, man hat Proviant dabei). Man kann also kommod von Kærgården aus durch den Ort zur Kirche und wieder zurück laufen oder mit dem Rad fahren.

Plötzlich stand ein ganz junges Rehkitz vor uns auf der Straße. Wir warteten, bis es wieder Schutz gefunden hatte und hoffen, die Mutter hörte sein Rufen.
Zu den liebenswerten Kleinigkeiten gehören auch die vielen Verkaufsstände mit Honig, Marmelade, Obst, Gemüse und Kartoffeln an den Straßen. Da haben wir auch gerne eingekauft, und ich freue mich immer noch jedes Wochenende, wenn es Honig aus Thy zum Frühstück gibt.

Sonnenuntergang vor dem Ferienhaus.
Dieser Beitrag geht zu "Mein Freund, der Baum" und zur Urlaubs-Linkparty.